Wahle-Mecklar: 380 kV Stromkabel einfach unterpflügen ?

Kreis Hildesheim – Gibt es eine neue Methode, Stromtrassen unterirdisch zu verlegen, ohne dabei allzu viel Ackerboden zu zerstören? Das Netz-Unternehmen Tennet, das die Leitungen Wahle-Mecklar und Südlink in der Region plant, will im Raum Baddeckenstedt ein neues Verfahren testen, bei dem Stromkabel quasi eingepflügt werden.

Bislang geht Tennet davon aus, das sich 30 bis 40 Meter breite Baustellen durch das Land ziehen, wenn die Erdkabel für Wahle-Mecklar (zwischen Söhlde und Sillium) und für Südlink (auf der ganzen Strecke) verlegt werden – weil Bagger und andere Baufahrzeuge an die Trasse heranfahren und dort dann arbeiten müssen. Landwirte im Landkreis Hildesheim fürchten vor allem, dass die Böden in diesem Bereich dauerhaft geschädigt werden.

Abhilfe soll nun das sogenannte Erdkabelpflug-Verfahren schaffen. Tennet hat die Firma Föckersperger aus der Nähe von Nürnberg beauftragt. Sie soll einen neuen Pflug entwickeln, der imstande ist, die Leerrohre für die 380-Kilovolt-Kablel 1,50 bis zwei Meter tief unter die Erde zu bringen. Das Unternehmen ist auf das „Einpflügen“ von Kabeln und Rohren seit Jahrzehnten spezialisiert. Allerdings wurde das Verfahren bislang nur für Leitungen mit deutlich geringeren Spannungen angewandt.

Nicht für jede Bodenart geeignet
„Sollte sich das Verfahren für den Bau der Erdkabelstrecke der Wahle-Mecklar-Leitung eignen, würde Tennet den Eingriff in die Böden noch einmal deutlich verringern können und die Bauzeiten voraussichtlich verkürzen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Netzbetreibers. Und weiter: „Dies würde auch die Einschränkungen der Landwirte verringern, Kosten sparen und damit auch den Stromverbraucher entlasten.“

Auf Nachfrage erklärte Pressesprecher Markus Lieberknecht, wenn sich das Verfahren bei Wahle-Mecklar bewähre, könne es auch bei anderen Projekten zum Einsatz kommen – also auch bei der Gleichstromtrasse Südlink. Deren endgültiger Verlauf steht noch nicht fest. Eine Route durch den östlichen Landkreis gilt aber als sehr wahrscheinlich.

Einschränkend weist Tennet allerdings darauf hin, dass das Kabelpflug-Verfahren nicht für jede Bodenart geeignet sei. Die im Raum Hildesheim üblichen Ackerflächen dürften sich aber dafür anbieten, problematisch sind hingegen steinige Böden.

Damit nimmt die Debatte ums Verlegen der Erdkabel eine neue Wendung. Zuletzt hatten Landwirte aus der Region vor allem auf ein Verfahren gehofft, dass die Firma AGS aus Stade entwickelt hat, und sie hatten bei den Bundestagsabgeordneten dafür geworben. Es sieht vor, die Kabel durch wassergefüllte Rohre zu ziehen. Dadurch können die Leitungen näher aneinander liegen, und die Trassen bräuchten deutlich weniger Platz. Offiziell hält Tennet das Konzept für prüfenswert, inoffiziell sind viele Ingenieure des Unternehmens aber sehr skeptisch, ob das Ganze in der Praxis funktioniert. Sie halten es allenfalls für denkbar, damit kurze Engpässe zu überbrücken. Quelle Hildesheimer Allgemeine