Tennet untersucht Auswirkungen von Erdkabeln auf Landwirtschaft

Bayreuth (energate) – Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet untersucht gemeinsam mit der Universität Göttingen die Auswirkungen von Erdkabeln auf landwirtschaftliche Nutzflächen. Im Rahmen des Leitungsbauprojektes Wahle-Mecklar (energate berichtete) richten die Projektpartner ein rund 2.500 Quadratmeter großes Testfeld ein und simulieren dort den Betrieb eines 380-kV-Drehstrom-Erdkabels. Aus den dort gewonnenen Versuchsergebnissen will das Unternehmen Schlussfolgerungen für den Bau realer Höchstspannungs-Erdkabeltrassen ziehen. Zusätzlich soll das wissenschaftliche Monitoring Empfehlungen für Rekultivierungsmaßnahmen zur Minimierung von Ertragseinflüssen geben, teilte Tennet mit. Neben der Bestimmung von Auswirkungen auf die Landwirtschaft wollen die Projektpartner aber auch Veränderungen der Grundwasserbeschaffenheit, insbesondere durch Nitrateintrag, untersuchen.

Hintergrund: Kritik aus der Landwirtschaft

Hintergrund des nun gestarteten Projekts ist laut Tennet, dass Eigentümer landwirtschaftlicher Nutzflächen häufig befürchten, dass sich beim Verlegen von Erdkabeln die Bodenphysik verändern könnte. Zu nennen sind Bodendichteänderungen und Einflüsse auf den Wasser- und Stoffhaushalt. In der Betriebsphase dagegen könnte vor allem eine Veränderung der Bodentemperatur durch die Verlustleistung der Erdkabel einen Einfluss ausüben. Die Betriebssimulation erfolgt über eine Beheizung mittels Heizbändern in den verlegten Leerrohren, die in ihren thermischen Eigenschaften der Verlustleistung realer 380-kV-Drehstrom-Erdkabel entspricht. Hierfür ist die Hälfte der gesamten Testfläche vorgesehen. Auf der anderen Hälfte wollen die Projektpartner die reinen Bauauswirkungen untersuchen. Auch solle das Vorhaben die Frage klären, wie lange es dauert, bis sich die gewünschten Bodenfunktionen wiedereinstellen.

Bislang noch keine Drehstromstrecken in Betrieb

Das Vorhaben Wahle-Mecklar des Netzbetreibers Tennet ist eine von vier Erdkabel-Drehstrom-Strecken, die das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) aus dem Jahr 2009 vorgesehen hat. Noch keines dieser Vorhaben mit Pilotstrecken ist vollständig in Betrieb, ist dem EnLAG-Monitoring der Bundesnetzagentur zu entnehmen. Bislang läuft lediglich der Testbetrieb für ein Erdkabel-Pilotprojekt von Amprion in der Gemeinde Raesfeld (energate berichtete). Erdkabel kommen im Höchstspannungsbereich ab 220.000 Volt bisweilen nur zur Übertragung von Gleichstrom zum Einsatz. Das auf fünf Jahre angelegte Projekt gemeinsam mit den Forschern des Instituts für Agrarwissenschaften könnte möglicherweise auch für die Gleichstromverkabelung Daten abwerfen, so Tennet. Auch die Bundesnetzagentur beschäftigt sich schon seit längerem mit dem Thema Gleichstrom-Erdkabel und Bodenschutz und hat dazu Ende 2018 ein Konsultationsverfahren gestartet (energate berichtete). /ml

link zum Originalartikel:

https://www.energate-messenger.de/news/190718/tennet-untersucht-auswirkungen-von-erdkabeln-auf-landwirtschaft?media=print

TenneT hat alle Realverbände, Eigentümer und Bewirtschafter der Erdkabel-Pilotstrecke im Abschnitt A für den Donnerstag, den 18.04.2019 zu einem Vorstellungstermin des Erdkabelfeldes eigeladen. Hierbei sollen folgende Punkte vorgestellt werden:

  • Begrüßung, Bauablauf – Aufbau des Versuchsfeldes
  • Bodenkundliche Baubegleitung
  • Besichtigung Baustelle Erdkabeltestfeld

geschrieben: Volker Schäfer , Sprecher BI