380 kV Trasse: Erdkabel-Korridor steht…

Mit dieser Überschrift geht die Hildesheimer Zeitung an die Öffentlichkeit !

Bild: Hildesheimer Zeitung


Kreis Hildesheim (abu) – Die Höchstspannungsleitung von Wahle nach Mecklar soll zwischen Söhlde und Sillium insgesamt 12,6 Kilometer als Erdkabel verlaufen. Das geht aus Plänen hervor, die der Netzbetreiber Tennet am Donnerstag vorgestellt hat. Damit bestätigt sich, was diese Zeitung bereits vor einer Woche exklusiv berichtet hatte. Der Abschnitt soll als Modellprojekt dienen, um Erdkabel bei Wechselstrom-Fernleitungen zu erproben. Die
Fertigstellung der 380-Kilovolt-Verbindung, die als wichtiger Baustein der Energiewende gilt, dürfte sich dadurch noch einmal um rund zwei Jahre verzögern.

Kommentar von Tarak Abu Ayamieh.

Zudem dürfte die Leitung um 90 bis 100 Millionen Euro teurer werden – was sich auf die Stromkosten des einzelnen Verbrauchers allerdings kaum auswirken dürfte. Denn die gesamten Baukosten von Wahle-Mecklar werden – wie auch die vieler anderer Leitungsbauten – über mehrere Jahre auf alle Stromverbraucher umgelegt. Vor allem im Raum Baddeckenstedt überwog gestern die Freude: Dort hatten Bürgerinitiativen besonders engagiert gegen die Freileitung gekämpft.
Wie diese Zeitung bereits in der vergangenen Woche exklusiv berichtete, soll das Erdkabel etwas weiter östlich verlaufen als die ursprünglich geplante Freileitung. So soll sie zwischen Wartjenstedt und Binder einerseits sowie Baddeckenstedt andererseits hindurchführen, rückt also von mehreren Dörfern in der Nachbargemeinde Holle weg. Die Leitung soll südlich des Söhlder Kreideabbaus in der Erde verschwinden und 12,6 Kilometer weiter südlich bei Sillium wieder auftauchen – östlich der Autobahn 7 – um dann wieder die ursprüngliche Route in Richtung Lamspringe und Göttingen aufzunehmen.
Durch die neuen Pläne verzögert sich der Bau der Verbindung zwischen den Umspannwerken Wahle bei Peine und Mecklar in Nordhessen weiter. Bevor eine Gesetzesänderung im vergangene Jahr die Erdkabel-Pilotstrecke möglich machte, war Tennet davon ausgegangen, dass die Leitung im Jahr 2018 steht. Der neue Zeitplan sieht in der optimistischen Version Ende 2020 vor. Baubeginn auf dem nördlichen Abschnitt A zwischen Wahle und Lamspringe
soll nun im Jahr 2019 sein. Was auch davon abhängig ist, wie schnell das erneute Planfeststellungsverfahren samt Öffentlichkeitsbeteiligung vonstatten geht. Unklar ist dabei noch, ob der gesamte 59 Kilometer lange Abschnitt A noch einmal ins Verfahren geht oder nur die neue Erdkabel-Passage.
Die neuen Tennet-Pläne zeigen noch lange keine Trasse, sondern nur einen sogenannten Suchraum – einen 300 Meter bis zwei Kilometer langen Korridor, innerhalb dessen das Erdkabel kommen soll. So ist zum Beispiel noch unklar, ob die Leitung am Ende westlich oder östlich des Dorfes Westerlinde verläuft.
Dem Ja zur Erdkabel-Trasse war ein jahrelanger Streit vorausgegangen. Mehrere Bürgerinitiativen entlang der geplanten Leitung forderten Erdkabel, ihr Hauptargument war die Verschandelung des Landschaftsbildes durch die sogenannten „Megamasten“. Tennet hielt dagegen, mit Erdkabel bei Wechselstrom-Fernleitungen gebe es keinerlei Erfahrungen. Im Vorjahr beschloss der Bundestag aufgrund es öffentlichen Drucks aber, Erdkabel-Pilotprojekte von zehn bis 20 Kilometern Länge vorzusehen – eins davon zwischen Wahle und Lamspringe.
Aus den Reihen der Trassenanlieger gab es dafür viel Lob, aber auch Spott: Baddeckenstedt werde das Erdkabel bekommen, weil es im Wahlkreis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel liege, so die Kritik. Doch für die nun gewählte Passage sprechen vor allem sachliche Gründe, betonte gestern Walther Hensel, bei Tennet der Gesamtprojektleiter für Wahle- Mecklar. Wenn das Pilotprojekt wirklich Erkenntnisse für spätere Bauvorhaben bringen solle, brauche man unter anderem möglichst kein reines Flachland, eine Stelle, an der über eine längere Strecke deutlich tiefer gegraben werden müsse (Düker), und eine „Querung anspruchsvoller Kreuzungsobjekte“. Diese Bedingungen erfülle das Gebiet zwischen Söhlde und Sillium am besten. Unter anderem plant Tennet dort eine 500 Meter lange Unterführung
unter dem Asselgraben und muss die Bahnlinie Hildesheim-Goslar kreuzen.

Insgesamt fünf mögliche Erdkabel-Korridore habe Tennet ausgeguckt – keiner erfülle so viele Kriterien wie der nun gewählte.

Baddeckenstedts Samtgemeindebürgermeister Jens Range reagierte „grundsätzlich sehr erfreut“. Nach zehn Jahren Einsatz habe man „endlich eine Erdkabel-Variante auf dem Tisch“. Nun sei allerdings wichtig, dass bei aller Freude vieler Bürger darüber nicht die Belange der Landwirte vergessen würden, um deren Felder es nun gehe: „Es darf keine Verlierer geben.“

Tennet lädt für nächste Woche zu zwei Info-Veranstaltungen ein: Am Mittwoch, 13. April, von 19 bis 21 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus Binder, Hauptstraße 25, sowie für Donnerstag, 14. April, ebenfalls von 19 bis 21 Uhr in der Gaststätte „Zur Traube“ in Burgdorf, Hauptstraße 7.