Strom-Autobahnen verzögern sich…

 Die Mega-Trasse Südlink kommt erst 2025, Wahle-Mecklar 2020. Erdkabel und Bürgerproteste sorgen für Verzug.

Baddeckenstedt. Die für die Energiewende benötigten Strom-Autobahnen werden viel später fertig als geplant. Markus Lieberknecht vom Betreiber Tennet bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“.

Demnach wird die 800 Kilometer lange „Hauptschlagader“ der Energiewende, der Südlink, statt 2022 erst 2025 fertig – wenn überhaupt. „2025 ist unser Ziel“, sagte Lieberknecht unserer Zeitung. Die Trasse verläuft von Schleswig-Holstein über Niedersachsen und Hessen nach Bayern.

Doch auch bei der 230 Kilometer langen Trasse Wahle-Mecklar, die über Wahle im Kreis Peine, über den Kreis Wolfenbüttel sowie Salzgitter und Göttingen nach Mecklar in Nordhessen führen wird, liegt Tennet nicht mehr im Plan. Ans Netz gehen sollte die Trasse 2018. Nun sagte Lieberknecht, dass daraus nichts wird: „Wir gehen von 2020 aus.“

Südlink ist nötig, um den Windstrom aus dem Norden in die Industriezentren im Süden zu transportieren. Wahle-Mecklar soll das Stromnetz stabiler machen.

Da die Bundesregierung nach Bürgerprotesten nun aber vermehrt auf Erdkabel statt Freileitungen mit Megamasten setzt, kommt es zu den Verzögerungen. Die Südlink-Pläne waren schon weit fortgeschritten. „Wir mussten im Januar einen Neustart hinlegen“, sagte Lieberknecht. Der Bundestag hatte Ende 2015 das Erdkabelgesetz verabschiedet. Es war ein Zugeständnis an CSU-Chef Horst Seehofer, der Bürger in Bayern besänftigen will.

Der Trassenverlauf des Südlink ist nun wieder vollkommen offen. Fest stehen nur Brunsbüttel in Schleswig-Holstein als Startpunkt sowie als Endpunkte Grafenrheinfeld in Nordbayern und der Abzweig nach Großgartach bei Stuttgart. Den Trassenverlauf will Tennet laut Lieberknecht im Herbst bekanntgeben.

Ob die Trasse auch durch unsere Region führen wird, ist offen. Bei der alten Freileitungs-Variante hatte Tennet auch einen Trassenverlauf über die Landkreise Gifhorn, Helmstedt und die Stadt Wolfsburg in Erwägung gezogen. Ob diese Variante noch aktuell ist, wollte Lieberknecht gestern weder dementieren noch bestätigen. „Wie gesagt, wir stehen wieder am Anfang“, meinte er nur.

Weitgehend ausschließen konnte Lieberknecht eine Bündelung von Südlink und Wahle-Mecklar. Da es sich bei Südlink nun vor allem um Erdkabel handelt, bei Wahle-Mecklar hingegen um Freileitungen, ergibt ein gemeinsamer Trassenverlauf technisch keinen Sinn. „Das ist weitgehend vom Tisch“, so Lieberknecht.

Bei Wahle-Mecklar liegen die Verzögerungen an der Erdkabelpilotstrecke. Dass bei Wahle-Mecklar noch weitere Abschnitte mit Erdkabeln hinzukommen, hält Lieberknecht für sehr unwahrscheinlich. „Wir halten uns ans Gesetz.“ Das sieht im Regelfall Freileitungen vor.

Weitere Verzögerungen bei Wahle-Mecklar sind laut Lieberknecht entstanden, weil sich Bürger, Kommunen und Unternehmen gegen die Stromtrasse stemmen und Einwände erhoben haben. Lieberknecht beziffert die Einwände auf mehrere Hundert für jeden der vier Abschnitte.

Die zusätzlichen Kosten für die Erdkabel zahlt der Verbraucher. Lieberknecht beziffert diese beim Südlink auf eine „einstellige Milliardensumme im unteren Bereich“. Die zusätzlichen Kosten bei Wahle-Mecklar gingen in die „Millionen“. Beides sei noch nicht genau zu beziffern.  Quelle SZ.-Zeitung 08.06.2016 Andre Dolle

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